Aufmerksamkeit für das Thema Stuttgart 21

Werners Rundmail vom 29.9.2020

Liebe Freundinnen und Freunde,

der 10. Jahrestag des Schwarzen Donnerstags, die Aufstellung der Großskulptur von Peter Lenk in den nächsten Wochen und dann der 10. Jahrestag der sog. Schlichtung von Heiner Geißler vom 22. Oktober bis 27. November. Das alles wird dem Thema Stuttgart 21 eine Aufmerksamkeit bescheren, wie sie dieser Bewegung seit langem verwehrt wird. Allerdings – Vorsicht! – zeichnet sich schon ab, dass Stuttgart 21 und die Bürgerbewegung gegen dieses Projekt in den meisten  Veranstaltungen und Berichte  als eine mehr oder weniger abgeschlossenen Geschichte dargestellt wird: ab ins Museum damit.

Worum es bei alledem ging und weiter geht, gerät aus dem Blickfeld, oder besser wird aus dem Blickfeld gedrängt: nämlich um ein Projekt, dass gerade jetzt, sozusagen Tag für Tag, all die Defizite offenbart, die seine Gegner*innen nicht erst bei dem Massaker der Polizei im Schlossgarten thematisiert haben. Argumente, die jetzt nicht abgehakt werden können, sondern die radikale Konsequenzen erfordern.

Ein schönes Beispiel für die Historisierung des Widerstands gegen Stuttgart 21 liefert, immer zu Diensten, die Stuttgarter Zeitung. Ein ausführlicher, einfühlsamer Bericht über die Ereignisse des Schwarzen Donnerstags aus der Sicht beteiligter Polizisten und eines jungen Protestierers endet mit dessen Hinweis, dass er sich inzwischen anderen politischen Themen zugewandt habe und der Bemerkung, Stuttgart 21 solle ja jetzt 2025 in Betrieb gehen.

In seiner fulminanten Rede auf der gestrigen 531. Montagsdemo, die man besser anschaut statt nachzulesen, warnt Hannes Rockenbauch eindringlich vor der Musealisierung des Widerstands:  https://www.bei-abriss-aufstand.de nach Min 28.30h.

Zur Realität von Stuttgart 21 hätte gut die Meldung über ein Beinah-Desaster in Untertürkheim gepasst, die aber ihren Weg von der online-Ausgabe ins Print der Stuttgarter Zeitung nicht schaffen sollte:
„Ein verstopfter Abwasserkanal auf einer S-21-Baustelle hat einen großen Einsatz in Stuttgart ausgelöst. Das Technische Hilfswerk (THW) rückte am Freitagabend mit 15 Mann an, um eine Überschwemmung der Augsburger Straße in Untertürkheim zu verhindern. „In einem Auffangschacht ist es zu massiven Verstopfungen gekommen“, sagte THW-Sprecher Patrick Holuba am Sonntag. „Es bestand die Gefahr, dass Abwasser die Straße überflutet. Eine 50 Meter entfernte Baugruppe war bereits vollgelaufen……………….“
www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bei-s21-baustelle-in-stuttgart-thw-verhindert-ueberflutung-durch-verstopften-abwasserkanal.4be8672e-acbe-434c-bbc5-a30f0344bfdd.html

Bitte Flyer-Verteilung unterstützen

„10 Fragen zu Stuttgart 21, die Sie Ihrem/Ihrer OB-Kandidat*in stellen sollten!“

Den Stuttgarter OB-Wahlkampf als Chance zu nutzen, das große Schweigen und die Historisierung von S21 zu durchbrechen – dem dient die Flyer-Aktion des Aktionsbündnisses. (Flyer, s. Anlage).

Flyer lassen sich allerorten verteilen. Besonders wirksam und nicht so anstrengend ist die Verteilung in die Briefkästen. Damit nicht in dem einen Briefkasten am Ende drei Flyer und in anderen gar keiner liegen, gibt es einen großen Stadtplan, in dem Mitmacher*innen mit Marker eintragen können, wo sie verteilt haben bzw. verteilen wollen. Die Karte liegt in der Mahnwache aus, außer bei den Demos. Da liegt sie am Stand des Aktionsbündnisses.

Aber jetzt erstmal:

Alle auf zur Demo am 30.September!

Rückblick und Kampfansage

Nochmal der Flyer mit allen Angaben: www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Plakat-30.9.20-klein.jpg

Sehenswert zur Einstimmung: Rede von Prof. Dr. Ferdinand Rohrhirsch auf der 46. Montagsdemo vor 10 Jahren vor der Ruine des Nordflügels : https://youtu.be/ki9CfRjUpIc

Rohrhirsch, leider 2019 gestorben, war zunächst Azubi bei der Bundesbahn, später Philosophieprofessor und einer der klügsten Unterstützer des Protests gegen S21. Viele werden sich auch noch an seinen Auftritt bei der Vorstellung des Umstiegskonzepts 2016 im Stuttgarter Gewerkschaftshaus erinnern.

Gut für den Blick nach vorn

Nach 43 Jahren Widerstand: Sieg in Gorleben!

Interview mit Wolfgang Ehmke, Gesicht der Durchhalter*innen der BI Lüchow-Dannenberg gegen das Atommüllendlager Gorleben im Interview der taz: „Dieser Widerstand war identitätsstiftend“ https://www.taz.de/!5716928

& Gruß von Werner

Gebt endlich auf!

Werners Rundmail vom 24. September 2020

Liebe Freundinnen und Freunde,
hier Rundmail zur Lage (& Anlagen) – mit diesen Themen:

  • S 21 am Kipppunkt?
  • Gutachten  „Baugrube und S21 Tunnel für Güterlogistik“ in Arbeit
    (hier Ideenskizze Güterlogistik als pdf)
  • Alles zu den Demos und Berichten der nächsten Tage:
    – Klimademo 25.9.
    – Montagsdemo 28.9.
    – Große Demo zum 30.9.
    – Podiumsdiskussion im Stadtpalais zum Schwarzen Donnerstag
    – SWR –Themenschwerpunkt Deutsche Bahn am 30.9.
  • OB-Wahl in Stuttgart: Gegen das große Schweigen zu Stuttgart 21
  • Bürgerflugblatt mit 10 Fragen an Ihre/n OB-Kandidat*in
    (hier der Flyer als pdf)
  • Bundesrechnungshof  legt nach gegen S21: Der Schuss vor den Bug
    (hier der BRH-Bericht unzensiert als pdf)
  • Offenbarungseid auf den Fildern und die Pirouetten des Professor Heimerl
  • Dieselskandal, der Fall Wirecard – und der S21-Skandal? Reihen-Versagen der Kontrollbehörden
  • Überraschung: Lenks Groß-Skulptur ab Oktober in Stuttgart
  • Was die DB mit unwürdigen Tricks zu verhindern suchte: Brandschutz wird jetzt doch vor dem VGH verhandelt
  • Ingenhoven vs Kuhn bei der Eröffnung des U-Bahn-Halts Staatsgalerie: Tritt vors Schienbein
  • Stadtbibliothek versteckt, Verantwortung versteckt: Wem ist eigentlich die vermurkste Planung des Europaviertels zu verdanken?
  • Rosenstein & Klima: Den Schuss nicht gehört
  • Kandidat*innenbefragung der Stuttgarter Zeitung zum Thema Wohnen: Die Fans der Rosensteinbebauung auf Tauchstation?
  • Fahrradklimatest 2020 des ADFC : Das kleine Plebiszit zur Lage des Radverkehrs in Stuttgart (21)
  • Neues Logo des Aktionsbündnisses : Bündnis bleibt oben

 

& viele Grüße von Werner

Wie weiter nach Corona?

Werners Rundmail vom 11. Mai 2020
(hier als pdf-Datei)

Liebe Freundinnen und Freunde,

Corona von morgens bis abends. Die Pandemie wirbelt die Gesellschaft durcheinander, Vieles steht auf dem Kopf. Alte Gewissheiten geraten ins Wanken. Während die einen noch darüber streiten, ob diese oder jene Maßnahme angemessen ist und ob und um wie viel schlimmer Corona als eine Grippewelle ist, stehen andre längst in den Startlöchern für die große Auseinandersetzung über die Frage, wie es weiter gehen soll, welchen Schultern die riesigen privaten und öffentlichen Schulden und Lasten aufgebürdet werden.

Dass die Klimafrage nicht hintan gestellt werden dürfe, weil sie die viel größere Bedrohung ist, scheint noch die vorherrschende Meinung in Politik und Öffentlichkeit zu sein. Je bedrohlicher die unmittelbaren sozialen und wirtschaftlichen Folgen werden, desto mehr Einfluss gewinnt die restaurative Antwort: Erstmal alles wieder so hochfahren wie es vorher war. Dann kann man immer noch über Klima- und Gerechtigkeitsfragen reden. Für diese restaurative Variante steht die Forderung der Autoindustrie und der Autoindustrieländer, Absatzförderungen auch für Verbrenner-Autos fordern. Zum Teil dieser unheiligen Allianz hat sich auch der grüne Ministerpräsident Kretschmann gemacht (s.u.).

Wo die Gesellschaft sich an die große Inventur macht, muss auch die Sinnhaftigkeit großer Infrastrukturprojekte auf die Tagesordnung, allen voran das sinnloseste von allen: Stuttgart 21.

Was kann, was muss, was wird sich angesichts veränderter Rahmenbedingungen bei Stuttgart 21 ändern?

  1. Milliarden für S21 immer unverantwortlicher

Klar kann man sagen, wo in Deutschland 600 Mrd € und auf EU Ebene 3.400 Mrd € an Kredite und Zuschüsse aufgewandt werden, spielten die 5 Mrd  €, die bei Stuttgart 21 noch drauf kommen, auch keine Rolle mehr. Aber so wird es nicht sein. S21 war schon immer eine Verteilungsfrage, und jetzt erst recht: jeder Euro, der bei S21 versenkt wird, fehlt jetzt umso mehr da, wo es jetzt wichtig ist.
Die Bahn will Ersatz für 10 Mrd coronabedingter Einnahmeverluste. Da ist was dran, denn zu Recht hat die Bahn auch jetzt ein Mindestangebot aufrecht erhalten, wo betriebswirtschaftlich ein shutdown nahe gelegen hätte. Aber es kann nicht sein, dass sie bedingungslos subventioniert wird, während sie mit Stuttgart 21 weiter Milliardenverluste aufhäuft. Hierzu PM des Aktionsbündnisses: www.kopfbahnhof-21.de/auch-stuttgart-21-auf-den-pruefstand/

  1. S21 gegen die Wohnungsnot?

Das Argument, S21 müsse realisiert werden, um die Wohnungsnot in Stuttgart zu lindern, war schon immer falsch, weil Wohnungen auf dem Rosensteinareal frühestens in den 2030ern beziehbar wären, und es schon jetzt mit dem Umstieg 21- Konzept auf dem C-Areal eine kurzfristig Wohnungsbebauung möglich wäre. Unter Corona haben sich wichtige Parameter verändert, die das Wohnungsargument noch abwegiger machen:

Der Umstieg auf Elektroautos wird schon technikbedingt zum Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze, besonders in der Region Stuttgart, führen. Hinzu kommt: die hiesige Autoindustrie hat, von der Politik falsch gepäppelt, zu lange auf Verbrennungsmotoren und dicke Autos gesetzt, was ihr Marktanteile kosten wird („wer zu spät kommt …“). Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe sorgt sich (auf der 510. MoDemo), „dass Baden-Württemberg den Weg geht im Großraum Stuttgart, den Detroit bereits gegangen ist: der Rust Belt der USA droht auch in Stuttgart“. Wenn die hiesige Schlüsselindustrie mit vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen schwächelt, wird das auch Folgen für die Nachfrage nach Wohnungen haben.

Diese Wirkung wird verstärkt durch den Corona-Hype des Arbeitens im home office. Auch nach der Krise werden viele, sicher nicht alle, Unternehmen und Beschäftigte diese Option weiter nutzen wollen. Außerhalb des teuren Stuttgarts zu wohnen, kommt dann im Kosten-Nutzen-Vergleich besser weg, weil viel Pendelei entfallen kann.

Auch wenn es dazu noch weiterer Analysen bedarf, sicher scheint: bis in die 2030er Jahre wird sich der Wohnungsmarkt so entspannt haben, dass er als Argument für S21 mehr denn je ausfällt. Weiterlesen

Zur 500. Montagsdemo und mehr …

Liebe FreundInnen,

nimmt man die Flut von Mails, die seit Wochen für die 500. Montagsdemo werben, als Maßstab, dann wird das „was Größeres“, eine außerordentliche Demo. Dafür sprechen auch die vielen Medienanfragen im Vorfeld: Interviewwünsche, Portraits von langjährigen Montagsdemonstrant*innen, Hintergrundberichte, teils schon in der Vorberichterstattung. Alle dabei: DER SPIEGEL, WDR, taz, kontext sowieso, BILD, SWR, Tagesschau, Mannheimer Morgen, Junge Welt, Süddeutsche, Schorndorfer und Waiblinger Zeitung und die Stuttgarter Zeitungen senden und schreiben oder haben schon gesendet oder geschrieben:

Ungewollt verstärkt hat MP Kretschmann die Mobilisierung für die Jubiläums-Montagsdemo mit seinem Gaga-Statement, er habe mit seiner Politik des Gehörtwerdens den Konflikt ums Stuttgart 21 befriedet. (s. dazu PM des Aktionsbündnisses „Oberrealo mit Realitätsverlust“)

Die große Aufmerksamkeit für diese Leistung der Bürgerbewegung gegen das Projekt ist hoch verdient. In einer Pressemitteilung zur 500sten schreiben Hannes Rockenbauch und Tom Adler, die Fraktionsvorsitzenden der „FrAKTION“ im Stuttgarter Rathaus:

„Glückwunsch an alle Aktiven und Respekt für unglaubliches Engagement, einen enormen Durchhaltewillen und die Bereitschaft, viel Zeit in diese Bewegung zu investieren … Dieses Engagement zeigt das tiefe Verständnis der Stuttgart 21-Gegner für das, was ein lebenswertes Stuttgart ausmacht – und was Mensch, Klima und Schienenverkehr schadet. Und heute ist offenbar: die Prognosen der Kritiker*innen und Gegner*innen des Projekts Stuttgart 21 zu Kosten, Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Klimaschädlichkeit stimmen … Die Bewegung hat sich von den gruseligen Taschenspielertricks, der irreführenden Kommunikation und Falschaussagen der Projektbetreiber nicht beeindrucken lassen… Die Stärke der Bewegung war immer, dass sie permanent Grundsatzfragen gestellt hat, die die Hintergründe des Projekts Stuttgart 21 offenlegten. Unsere Mitstreiter*innen haben dadurch eine detaillierte Faktenkenntnis, die wir auf der Seite vieler Befürworter des Milliardengrabs komplett vermissen.“

https://soeslinkeplus.de/2020/01/500-montagsdemos-durchhaltewille-wissensdurst-und-faktenkenntnis-der-bewegung-gegen-stuttgart-21 (noch unter altem Namen)

Anders als dieses wohltuende Kompliment, das man der FrAKTION, die ja Teil dieser Bürgerbewegung ist, uneingeschränkt zurückgeben kann, werden viele der schulterklopfenden Kommentare und Berichte rund um die 500ste einen faden Beigeschmack haben: Respekt vor Eurem großen Engagement und Eurem Durchhaltewillen, Ihr habt ja wirklich Vieles aufgedeckt und oft Recht gehabt, aber nun ist es allmählich auch gut. Der Bau schreitet voran. Zu glauben daran ließe sich noch was ändern, sei naiv.

Einen Vorgeschmack auf diese Art der Berichterstattung lieferte ein Kommentar in der Stuttgarter Zeitung anlässlich der 485 Montagsdemo am 14.10. 2019.

Und dann: „Den S21-Gegnern bleibt als Trost, dass sie es mit ihren hartnäckigen Protest ins Haus der Geschichte geschafft haben.“

Gelobt werden die Bürgerbewegten für Tugenden wie Mut, Durchhaltevermögen, Sachkenntnis, oft auch dafür, Recht gehabt zu haben. Unterstellt wird auch gern, es gehe ihnen soziale Gemütlichkeit oder einfach „Spaß an der Freud“, dagegen zu sein. Worum es ihnen in der Sache geht, wird abgespalten und ins Museum expediert, oder eben für naiv erklärt. Eine Auseinandersetzung mit dem, wofür die Menschen mit all diesen Sekundärtugenden solange eintreten, wird vermieden.

Damit betreibt ein Großteil der Medien das Geschäft der Projektverantwortlichen, die sich notorisch jeder Sachdebatte entziehen, wie zuletzt Gerd Hickmann in Vertretung von Verkehrsminister Hermann, der sich drei Tage vor einer zugesagten Diskussionsveranstaltung im Stuttgarter Rathaus zur Frage der Kapazität von S21 dem argumentativen Kräftemessen mit Prof. Wolfgang Hesse und Dr. Christoph Engelhardt per Absage entzog. (s. PM des Aktionsbündnisses)

Ähnlich wie der Bürgerbewegung gegen S21 geht es auch den jungen Klimaaktivisten: Schulterklopfen, aber dann bitte zurück auf den Boden der Realität – und das heißt Weiter so.

Dazu Greta vor der versammelten Mannschaft des Weltsozialforums im Januar in Davos:

„Sind wir naiv? … Nein, es ist einfach nötig!“

In diesem Sinne ist eine starke 500. Montagsdemo auch einfach nötig.

Neue Broschüre des Aktionsbündnisses – pünktlich zur 500sten erschienen

Stuttgart 21 – alternativlos? Never!

In großer Auflage im DIN-A-5 Querformat gedruckt, liefert die Broschüre einen kompakten Überblick über die gigantische Fehlplanung, über Defizite und Risiken des Projekts, über die Bürgerbewegung und ihren langen Atem und über die Strategie Umstieg 21. Besonders geeignet für die Information an der Mahnwache (dort bereits verfügbar, wie auch am Stand des AB bei der %00sten – jeweils gegen kleine Spende). S. Anlage.

Gegen Ende des Heftchens wird eine neue Idee skizziert, an der die Umstiegsgruppe des AB arbeitet. Nachdem als Alternative für die Bahnhofsgrube ja schon eine City-Logistik-Lösung skizziert worden war (Umstiegs-Update 2018), wird nun geprüft, ob in den Tunneln, in die allein aus Sicherheitsgründen nie tausende Zugreisende einfahren sollten, nicht ein intelligentes vollautomatisiertes System des parzellierten Gütertransport realisierbar wäre – von der Peripherie der Stadt in ihre Mitte. Dort Umschlag auf Elektro-Kleinfahrzeuge, z. B. Radtransporter wie bei Velocarrier. Das würde Stuttgart von Tausenden LKW-Fahrten täglich entlasten und könnte aus KlimaSkandal21 am Ende gar einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel machen. Entsprechende Modelle gibt es bereits in der Schweiz (Cargo sous terrain) und vermutlich demnächst in Hamburg mit dem Smart City Loop.

Interview mit Boris Palmer in Kontext

„S21 ist wie Krebs“

Jedesmal wenn er runtergucke in das Loch, dann denke er: „Das kann doch alles gar nicht wahr sein!Palmer lässt im Kontext kräftig Dampf ab über Deutschlands dümmstes Großprojekt. OB in Stuttgart will er aber lieber nicht werden, obwohl er dann Zugriff auf S21 hätte, wie er von Johanna Waidhofer-Henkel gefragt wird, denn da sei „die Wut noch zu groß“ auf Stuttgart 21.

Die Kapazitätsfrage ist bekanntlich die Klimafrage. Hierzu Palmer: „Wenn Greta recht hat und die Leute künftig umweltfreundlich unterwegs sein wollen, dann gibt es nur eine einzige Lösung, und das ist der Teilerhalt des Kopfbahnhofs. Denn den Tunnelbahnhof, wenn er erst einmal steht, verbreitert niemand mehr.“ – Da verließ ihn dann der Mut. Weiter als zu Kombi springt auch Palmer nicht.

Der Beitrag erscheint auch im Print als Beilage zur bundesweiten taz – auf deren Titelseite so angekündigt „Kann der Bund mit Stuttgart 21 seine Klimaschutzziele erreichen? Der Grüne Boris Palmer im Gespräch“

Klartext in Kontext

Arno Luik zum 10. Jahrestag der Prellbockanhebung

Deutlicher und eindeutiger wird da schon Arno Luik, der im Kontext anlässlich der sich auch gerade zum zehnten Mal jährenden, als Baustart deklarierten erbärmlichen Prellbockanhebung das ganze S21 Drama und ihre gescheiterten Protagonisten noch einmal Revue passieren lässt – von Schuster, Drexler, Grube hin zu den Grünen, die in einem ergänzenden Kommentar auf der Seite des Verlags sein besonderes Fett abbekommen: „Die Grünen und S21 – von Hoffnungsträgern zu Tätern“
www.westendverlag.de/kommentare/die-gruenen-und-s21-von-hoffnungstraegern-zu-taetern/
Auszüge aus seinem zum Spiegel-Bestseller avancierten Buch Schaden in der Oberleitung in https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/461/s-21-wie-es-so-weit-kommen-konnte-6484.html

Oliver Stenzel, Kontext, zu 10 Jahre nach der Prellbockversetzung

„Wird ein Prellbock gehoben“

Für viele, die schon damals dabei waren, werden Erinnerungen und Wut wach über dieses „lehrbuchtaugliches Stück Symbolpolitik, das an jenem 2. Februar über die Bühne von Bonatzbau und Bahnsteigen ging“. Die damaligen Granden von Politik und Bahn „trafen indes nicht auf jubelndes und blumenwerfendes Volk, wie man es von royalen Hochzeiten kennt, nein, mehrere Tausend S-21-Gegner waren in die Bahnhofshalle geströmt, um die Inszenierung mit Pfeifen, Vuvuzelas und “Lügenpack”-Rufen zu stören“.

Lesenswert bzw. sehenswert macht den Beitrag auch das eingebaute Frontal21-Video von damals, in dem Egon Hopfenzitz, Roland Ostertag, Gangolf Stocker, Antje Hugger, Putte und Kretschmann zu besseren Zeiten – und die S21-Mafia mit ihren Lügengeschichten auftreten.

Wettern der Woche

Und natürlich immer und bei jedem Thema klasse in Kontext: Das Wettern der Woche von Peter Grohmann!

Immer wieder Thema anlässlich der 500sten

Die Grünen – eine einzige Enttäuschung

Winfried Hermann im Streitgespräch mit Grube SPIEGEL vom 20. September 2010

Hermann an Grube gewandt: „Und was die Dauer des Protests anbelangt, da werden Sie sich noch umgucken. …. Die Demonstranten gegen “Stuttgart 21” werden noch Monate durchhalten, und das wird insgesamt dem Image der Stadt erheblich schaden.“

„Es stimmt, wir Grünen hätten das Projekt gern beerdigt, aber diese Macht hatten wir als kleiner Koalitionspartner leider nicht. Heute sähe das anders aus.“

SPIEGEL: „Wenn die Grünen nach der Wahl in Baden-Württemberg mitregieren, würde “Stuttgart 21” sofort gestoppt?“

Hermann: „Ja, mit neuer Mehrheit. Wir wollen eine preisgünstigere Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs“.

Interview mit Winfried Kretschmann vom 21. März 2011 auf der Webseite der Landesgrünen

Die Grünen haben einen eigenen Stresstest in Auftrag gegeben, um die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 zu untersuchen. Das Ergebnis: Stuttgart 21 funktioniert nicht. Winfried Kretschmann nimmt im Interview zu der Studie Stellung.

Die Grünen haben einen eigenen Stresstest gemacht, um die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 zu untersuchen. Warum?

Wir haben bei der Schlichtung gezeigt, dass die Bahn bisher mit fragwürdigen Fahrplankonstruktionen gearbeitet hat und Stuttgart 21 nicht mehr Züge bewältigen kann als der bisherige Bahnhof. (Hervorhebung W. S.) Deshalb verpflichtet der Schlichterspruch die Bahn zu einem Stresstest, um die Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs zu prüfen. Das Problem ist aber, dass sich die Bahn bislang weigert, das Aktionsbündnis am Stresstest zu beteiligen. Deshalb haben wir Grünen jetzt eine eigene Studie zur Leistungsfähigkeit von S21 gemacht. Darin haben Experten einen Fahrplan erstellt, der Stuttgart 21 voll ausreizt. Dadurch können wir recht genau sagen, wie viele Züge maximal fahren können.

Wie sehen die Ergebnisse der Studie aus?

Unsere Untersuchung belegt, dass im geplanten Tiefbahnhof höchstens 40 Züge fahren können – das sind zwei Züge mehr, als heute im bestehenden Kopfbahnhof verkehren. Die Schlichtung fordert aber 49 Züge. Diese 49 Züge sind nur mit unglaublich teuren Nachbesserungen zu erreichen. Ohne zehn statt acht Gleisen und ohne die Beseitigung aller Engpässe im Zulauf kann die Bahn den Schlichterspruch nicht erfüllen. S21 müsste also komplett umgeplant werden – und würde weitere 600 Millionen mehr kosten. Die Projektkosten würde also auf jeden Fall die Grenze von fünf Milliarden Euro überschreiten. Auch sechs Milliarden sind durchaus realistisch.

Was heißt das im Vergleich zu K 21?

Das zentrale Ergebnis ist: Kopfbahnhof 21 ist definitiv viel leistungsfähiger und billiger als Stuttgart 21. Stuttgart 21 kann in der bestehenden Form nicht einmal mit dem bestehenden Kopfbahnhof konkurrieren. Und selbst wenn „Stuttgart 21 plus“ mit allen von Geißler vorgeschlagenen Verbesserungen realisiert würde, ist der Bahnhof weit weniger leistungsfähig als der modernisierte Kopfbahnhof (Hervorhebung W. S.), der 52 Züge in der Stunde bewältigen könnte. Und vor allem ist er mindestens zwei bis drei Milliarden teurer. Das Fazit ist also: Mit dem Kopfbahnhof können mehr Züge für weniger Geld schneller und zuverlässiger fahren als mit jeder Variante von Stuttgart 21.

Was bedeutet das für die Zukunft des Bahnverkehrs in Stuttgart?

Stuttgart 21 ist das Gegenteil eines Jahrhundertprojekts. Der Tiefbahnhof wird bereits bei seiner Fertigstellung seine Leistungsobergrenze erreicht haben. Der Schienenverkehr wird aber in den nächsten Jahren weiter wachsen. Mit Stuttgart 21 wäre das aber unmöglich – trotz seiner Milliardenkosten. Das zeigt: Nur der Kopfbahnhof bietet die notwendigen Entwicklungschancen für den dringend notwendigen Ausbau des klimafreundlichen Schienenverkehrs. (Hervorhebung W. S.)

Kein schönes Ende dieses Rundmails, umso freundlichere Grüße von

Werner