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3.9.2010 : 17:00 : +0200

Unterstützer

Prof. Roland Ostertag
Architekt

Stuttgart 21 darf nicht kommen.

von Prof. Max Bächer und Prof. Roland Ostertag

Es scheint den verantwortlichen Politikern und Planern noch gar nicht klar geworden zu sein, welche verheerenden Folgen dieses Projekt für die Zukunft unserer Stadt haben würde. Die Stuttgarter wurden auch nicht gefragt. Unsere Stadt wird einen ebensolchen radikalen Eingriff in ihre Grundstruktur, in das Grundgesetz der Stadt erfahren wie vor Jahrzehnten durch die stadtzerstörenden Stadtautobahnen.

  • Wollen wir, dass die grosszügigen königlichen Parkanlagen, die vom Zentrum der Stadt bis zum Neckar reichen, an ihrer empfindlichsten Stelle quer zum Tal aufgeschlitzt, durch eine mehrere Meter über die natürliche Höhe aufgewölbte baumlose Mondlandschaft mit riesigen Glubschaugen zerstört werden, damit die Unterwelt noch etwas Licht bekommt ?
  • Wollen wir, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof, international bekanntes Wahrzeichen der Stadt, seiner Flügelbauten beraubt und massakriert und wie eine vergrößerte S-Bahnstation in den Untergrund verlegt wird, damit man die Stadt rascher durchqueren und verlassen kann ?
  • Wollen wir, dass die Ankunft in Stuttgart mit dem großartigen Blick auf Stadt, Park und Weinberge zugunsten einer Ankunft nach kilometerlanger Tunnelfahrt im Keller aufgegeben werden soll, nur weil der Bahnhof einigen Planern im Wege steht? Stuttgart sich nur noch durch Beschriftung zu erkennen gibt?
  • Wollen wir, dass die Lebensadern der Stadt durch den bisher massivsten Eingriff in die Ökologie, die Natur und Ressourcen des Talkessels, z.B. die Grundwasserströme, die Mineralquellen - die zweitgrößten Europas - gefährdet oder versiegen werden?
  • Wollen wir, dass Stuttgart nicht nur sein Gesicht, sondern auch seinen Ruf als bekannte Park-, Garten- und Bäderstadt verliert?
  • Wollen wir, dass durch eine Funktionalismusideologie, die den Fortschritt nach Minuten zählt, durch die Eingriffe in den Stadtgrundriss, in die Anlagen, den Bahnhof, das historische, das begehbare Gedächtnis der Stadt missachtet und zerstört wird?
  • Wollen wir, dass eine trostlose "neue City/Innenstadt" jenseits des Bahnhofs die ?alte City/Innenstadt? infrage stellt?
  • Wollen wir unseren Kindern und Enkeln außer einer jahrzehntelangen Baustelle dieses Zeugnis einer technokratischen Gedanken- und Rücksichtslosigkeit gegenüber der Stadt- und Baukultur hinterlassen?
  • Wollen wir Stuttgarter einen solchen gigantischen Schwabenstreich, den sich Politiker und Ingenieure ausgedacht haben, auch noch finanzieren?

Dabei gibt es mit dem Kopfbahnhof 21 eine weitaus billigere funktionierende Alternativlösung.
Dies sollten sich die Stuttgarter nicht bieten lassen.
Hierüber fordern wir einen Bürgerentscheid.