Aktuelles

  • Stuttgart 21 wegen Anhydrit nicht betriebstauglich? Geheim gehaltenes Gutachten schafft der Bahn keine Entlastung
    3. Dezember 2016
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    Die Deutsche Bahn AG hatte das von ihrem Aufsichtsrat beauftragte Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Ingenieurbüros Ernst Basler+Partner als Bestätigung ihrer Termin- und Kostenkalkulation gefeiert. Der Bundesrechnungshof wurde mit Verweis auf KPMG/Basler abgekanzelt, es bleibe bei 6,5 Milliarden Euro und in etwa bei den angekündigten Fertigstellungsterminen. Nachdem das Gutachten nun bekannt geworden ist, wird verständlich, warum es mit hohem Aufwand geheim gehalten werden sollte.

    Den Gutachtern wurde nur der Termin- und Kostenbericht (T&K) der Deutschen Bahn AG übermittelt. So könne man „nicht beurteilen, ob der Bericht sämtliche relevanten Kosten für das Vorhaben Stuttgart 21 beinhaltet. Interviews bzw. Gespräche mit Personen außerhalb der Sphäre der PSU (Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm) sollten ebenfalls nicht geführt werden“. „Deshalb war die Nachvollziehbarkeit des Berichts nur eingeschränkt und mit erheblichem Aufwand möglich“, so die Gutachter (siehe hierzu die Stellungnahme von Professor Böttger in der Anlage).

    Trotz dieser Einschränkungen listen die Gutachter reihenweise Wenns und Abers, unterschätzte Risiken und überschätzte Kostensenkungsversprechen auf. Eine Quantifizierung all dieser Risiken würde die Kostenprognose sehr schnell in den Bereich der 8 bis 10 Milliarden Euro und darüber hinaus katapultieren, die sowohl der Bundesrechnungshof als auch das Büro Dr. Vieregg ermittelt hatten. Die Geheimhaltung des Gutachtens und die selektive Herausstellung der 6,3 bis 6,7 Milliarden muss, so Bündnissprecher von Loeper, „als erneuter Versuch der DB gewertet werden, Politik und Öffentlichkeit über die Kostenentwicklung von Stuttgart 21 zu täuschen“.

    Einen Schwerpunkt der Begutachtung stellt das von der Bahn nicht kommunizierte völlig unterschätzte Risiko des Tunnelbaus durch 14 Kilometer Anhydrit dar. In ganz Deutschland und der Schweiz wurden in den letzten Jahren nur 12 Kilometer Verkehrswege durch Gipskeuper gebaut und dies mit oft später hohen Sanierungskosten (siehe in der Anlage die Stellungnahme des Geologen Dr. Laternser zu KPMG/Basler). Für das Projekt „Stuttgart 21“ halten die bahneigenen Gutachter deshalb Bauverzögerungen bis zu 36 Monaten für möglich und sehen „ein im Ingenieurbau unüblich hohes Risiko für die Betriebstauglichkeit“ von Stuttgart 21. Was eine infrage stehende Betriebstauglichkeit des Stuttgarter Bahnknotens für die Metropolregion und die Bürger der Stadt bedeutet, sollte zum Thema für die Verantwortlichen in Stadt und Land werden, so von Loeper.

    Das Aktionsbündnis hat in einer umfangreichen Stellungnahme (Anlage) die zwanzig Bahn-Aufsichtsräte aufgefordert, in der Sitzung am 14. Dezember in Berlin die neue Lage nicht weiter zu leugnen. Der Kostenrahmen bewege sich unübersehbar auf 10 Milliarden Euro zu. Über die Hälfte dieser Summe ist im Streit und würde am Ende den Bundes-, Landes oder städtischen Haushalt belasten – allen Dementis der Beteiligten zum Trotz. Dass dieses Projekt, wenn überhaupt, erst zum Jahreswechsel 2024/25 fertig werden könnte, bestätigen selbst die Bahngutachter. Zudem wäre es durch nichts zu rechtfertigen, wenn sich der Bahn-Aufsichtsrat über die gutachterlich bestätigten hohen Risiken der Betriebstauglichkeit durch Anhydrit hinwegsetzen würde.

    Das Aktionsbündnis hat kürzlich sein viel beachtetes Konzept „Umstiege 21“ (im Internet unter www.umstieg.21) vorgestellt. Dieses sieht vor, viele der begonnenen Bauwerke umzunutzen, wodurch die Schienenkapazität erweitert und eine Kostenersparnis von über 6 Milliarden Euro ermöglicht würde. Man erwarte nun, dass sich die DB für eine Diskussion über Auswege und Alternativen öffne.

    Vielleicht, so von Loeper, sei es kein Zufall, dass Bahnchef Grube und Projektleiter Leger jüngst gleichermaßen erklärten, die Bahn habe den Tiefbahnhof nicht gewollt. „Lassen wir’s“ überschreibt DIE ZEIT jüngst einen Artikel zu Stuttgart 21 und endet: „Nur für die Gesichtswahrung ist S21 zu teuer“.

    Kontakt:
    Eisenhart von Loeper 07452 4995 oder 0174-5912 495
    Werner Sauerborn 0171 320 980 1

  • Milliardenloch bei S 21 kommt vor Gericht Aktionsbündnis kommentiert Klage der Bahn gegen ihre Projektpartner
    26. November 2016
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    Die Ankündigung der Deutschen Bahn AG, ihre Projektpartner bei Stuttgart 21 anteilig noch dieses Jahr wegen Mehrkosten von zwei Milliarden Euro zu verklagen, zeigt nach Auffassung des Aktionsbündnisses die „weggefallene Geschäftsgrundlage“ des Projekts. Bündnissprecher Eisenhart von Loeper verweist auf den „tiefen Riss, der das Projekt durchzieht, die Grundlage erschüttert und laut Bundesrechnungshof mit nicht finanzierten weiteren drei Milliarden Euro ins Bodenlose reicht“. Die Projektpartner Stadt und Land stünden jetzt in der „peinlichen Lage“, erklären zu müssen, warum sie sich an dem Projekt noch beteiligen, obwohl ein nicht finanziertes Projekt nicht gefördert werden dürfe.

    Sicher sei die für die Überschreitung der Kostenobergrenze von 4,5 Milliarden Euro gültige „Sprechklausel“ des Finanzierungsvertrags keine „Zahlklausel“. Das Gericht werde aber auch entscheiden müssen, ob aus der Weiterbeteiligung der Projektpartner am Projekt eine Nachschusspflicht abzuleiten sei (sprichwörtlich „mitgegangen, mitgehangen“).

    Der Bahn-Aufsichtsrat hatte schon im März 2013 den damals durch politischen Druck bewirkten Weiterbau-Beschluss zu S 21 an die Bedingung gekoppelt, die von Bahnchef Rüdiger Grube bescheinigte Unwirtschaftlichkeit dieses Projekts mit einer Klage gegen die Projektpartner wett zu machen, wenn die Verhandlungen scheitern sollten.Die Landeshauptstadt Stuttgart habe, so von Loeper, bis zuletzt fälschlich so getan, als könne sie nicht verklagt werden. Allerdings habe sich auch die Bahn darin getäuscht, mit der neuen Landesregierung wegen einer Kostenbeteiligung leichtes Spiel zu haben.

    Bündnissprecher von Loeper wirft den „Streitpartnern“ vor: „Es ist unfassbar, wie beide Seiten bei diesem Großprojekt mit allen Risiken und zehn Milliarden Euro Kosten jahrelang auf Gedeih und Verderb ohne klare Vertragsbasis weitergewurschtelt haben“. Es sei gut, dass die Dinge „jetzt ans Licht kommen“.

    Allerdings sei von der Bahn nicht zu erwarten, dass sie „auch die zweite Kostenexplosion thematisiert“. Auch das Land werde sicher „schwere Funktionsmängel“ nicht einwenden, obwohl der Tiefbahnhof in gewaltiger Schieflage sei. Das Aktionsbündnis jedoch arbeite an der „Erledigung der Sache durch Umstieg von S 21“.

    Der Bahn-Aufsichtsrat berät über die neue Kosten- und Terminlage des Projekts  anhand der Berichte des Bundesrechnungshofs und eines geheimen Gutachtens der Wirtschaftsprüfer KPMG/Basler am 14. Dezember in Berlin.

    Kontakt:
    Dr. Eisenhart von Loeper 07452 4995 oder 0174-5912 495

  • Großer Bahnhof für Umstieg 21; Fünf Jahre nach der Volksabstimmung: Ein Streitgespräch Aufzeichnung der Veranstaltung am 23. November 16 im Theaterhaus Stuttgart
    24. November 2016

  • Fünf Jahre Volksabstimmung, Feinstaub und Stuttgart 21, Stuttgarter Zeitung & Stuttgarter Nachrichten: Rückfall in den Kampagnenjournalismus? Werners Newsletter
    20. November 2016

    Liebe FreundInnen,

    vor fünf Jahren, am 27. November 2011, schlug eine Schicksalsstunde der Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21. Die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 ging verloren und zwar deutlich. Als großer Konfliktauflösungsmechanismus gedacht, löste sie nur den Konflikt zwischen den damaligen Koalitionären Grün und Rot. Den Konflikt um das Projekt löste sie nicht. Ist die Auseinandersetzung um diese Volksabstimmung heute retro? „Ein gemähts Wiesle“? Sollte man die alte Geschichte nicht ruhen, Wunden verheilen lassen und den Blick nach vorn richten?

    Doppelt Nein!

    Zum einen, weil es immer wieder die Volksabstimmung ist, die den Blick nach vorn blockiert. Zuletzt wieder in den beiden großen Veranstaltung im Gemeinderat zu S21: Immer wenn den S21-Verfechtern von Grün bis Schwarz die Argumente ausgehen, und das ist laufend und bei allen Themen schnell der Fall, kommen zwei Argumente: Für einen Ausstieg sei es zu spät und: die Volksabstimmung! Auch wenn sie durch vielfachen Bruch der Geschäftsgrundlagen längst ihre S21 legitimierende Funktion verloren hat, als Kitt für den Machterhalt erst der Grün-Roten und jetzt der Grün-Schwarzen Koalition wird sie weiter gebraucht. Da kratzt es die Freunde der Macht auch nicht, dass einer der Väter der (Konstruktion) der Volksabstimmung, der Speyrer Verwaltungswissenschaftler Prof. Joachim Wieland, das Bürgervotum längst für nicht für mehr bindend erklärt hat. Grund: „Das Volk habe den Ausstieg aus dem Finanzierungsvertrag seinerzeit unter der Prämisse abgelehnt, dass die gesamten Baukosten den gesetzten Deckel von 4,526 Milliarden Euro nicht überschritten.“ www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-gilt-die-volksabstimmung-noch-page2.022e8a1f-19a0-4a29-9d64-1ceea5c172d0.html.

    Das war 2013, nachdem die Bahn Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro und weitere Risiken von bis zu 1,2 Milliarden Euro eingeräumt hatte. Inzwischen sind die Kosten weiter explodiert, die Zusagen aus Geißlers „Schlichtung“ wurden sämtlich ignoriert, die Leistungslüge ist aufgeflogen, die U-Bahn-Verlegung wird nicht unter rollendem Rad, sondern mit jahrelangen Sperrungen von Hauptstrecken von statten gehen usw. Vieles schon vor der Volksabstimmung längst bekannt! Wieland schon damals: „Die Grundlage der Abstimmung ist nicht mehr existent. Ein Ausstieg aus Stuttgart 21 ist möglich.“

    In diesem Sinne hatten sich schon Ende 2012 Walter Sittler, Volker Lösch, Sabine Leidig und Egon Hopfenzitz an Kuhn und Kretschmann gewandt: www.bei-abriss-aufstand.de/2012/12/17/offener-brief-an-kretschmann-hermann-und-kuhn/.

    Besonders peinlich für Kuhn und Winfried Hermann, denen die Volksabstimmung heute als Allzweckargument gegenüber S21-GegnerInnen dient: Sie betonten noch zu ehrlicheren Zeiten, dass die Legitimation des Volksentscheids in Anbetracht der von der Bahn eingeräumten Kostenexplosion „zunehmend zerbröselt“ (StZ, s.o.). Das war beim Kostenstand 6,5 Mrd, inzwischen sind wir bei 10 Mrd.

    Der zweite Grund, warum die Auseinandersetzung mit dieser Volksabstimmung nicht „retro“ ist, liegt in ihrer präzedentiellen Bedeutung. Während Gisela Erler, Kretschmanns Staatsrätin für Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft, sie (sinngemäßes Zitat) zur Mutter aller Bürgerbeteiligungen erklärt, sehen S21-Gegner wie Walter Sittler die Volksabstimmung als ein Lehrstück an, das sich so nicht wiederholen darf, aus dem Lehren gezogen werden müssen, damit Bürgerbeteiligungen (wieder) eine demokratische Einflussmöglichkeit der BürgerInnen jenseits von Wahlen werden können. Stichworte: Transparenz, gesicherte Faktenbasis, Gleichberechtigung …

    Walter Sittler und Gisela Erler sind es auch, die bei dieser Veranstaltung Legitimation von und Lehren aus der Volksabstimmung vor fünf Jahren diskutieren werden. Übrigens keine Veranstaltung des Aktionsbündnisses, sondern des Theaterhauses:

    Nach dem Streitgespräch Erler/Sittler stellt das Umstieg 21-Team für hoffentlich viel Publikum über die S21-Gegnerschaft hinaus das Konzept noch einmal vor und bezieht dabei neuere Entwicklungen und Diskussionen ein. Zu wünschen wäre, dass das Umstiegskonzept auch bei ProjektbefürworterInnen als ein Angebot, neue Wege zu gehen, verstanden wird.

    Zur Bewerbung dieser Veranstaltung im großen Saal des Theaterhauses gibt es die obige Abbildung als Flyer an der Mahnwache und bei der Montagsdemo. Am Montag sind eine Pressemitteilung und ein Rundmail des Theaterhauses als Veranstalter vorgesehen.

    347. Montagsdemo 21. November, KLEINER Schlossplatz mit

    • Manfred Niess, Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS); „Der Bahnverkehr in einer Automobilgesellschaft“
    • Dr. Eisenhart von Loeper, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21; „Zur aktuellen Kostenfrage um einen maroden Bahnhof“
    • Le Groufment, Reggae, Ska und Funk
    • Michael Kaufmann, Badener gegen S21, Moderation

    Davor: RadDemo 17.45h ab Feuersee

    Davor: Spaziergang zur Montagsdemo 17.30h vom Kernerplatz

    Danach: Demozug über Theodor-Heuss-Straße, Friedrichstraße, Kronenstraße, Lautenschlagerstraße, auf den Arnulf-Klett-Platz bis auf Höhe der Mahnwache, dann nach rechts auf den Gehwegbereich vor der Mahnwache, dort Ende mit dem Schwabenstreich.

    Nach danach : Die Kopfbahnhofsingers – Treffpunkt Haupthalle Südeingang.
    Stuttgarter Klimabündnis lädt ein

    Viele Fragen zur Hauptstadt des Feinstaubs – nur eine nicht

    Donnerstag, 24.11.2016, 19:00 Uhr
    Württembergischer Kunstverein Stuttgart Kunstgebäude am Schlossplatz

    „Schadstoffarmes Stuttgart – das ist möglich!“ postuliert ein Bündnis von grünnahen Verbänden und S 21-GegnerInnen und lädt ein zu einer Veranstaltung mit Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). Erläutert wird der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Verkehr u.a. mit folgenden Fragestellungen:

    • Welche Schadstoffe werden von Verbrennungsmotoren ausgestoßen?
    • Lässt sich nach Dieselgate das Feinstaub- und Stickoxidproblem lösen?
    • Ist eine Verkehrswende mit Verbrennungsmotoren möglich?
    • Welche Lösungen gibt es? Wasserstoff oder/und E-Mobilität, autonomes Fahren, ÖPNV, Fahrrad-Fußgängerverkehr, etc. ?
    • Welche politischen Maßnahmen sind notwendig für eine erfolgreiche Verkehrswende auch im Hinblick auf das 1.5° Ziel von Paris?
    • Welche Konsequenzen haben der juristische Vergleich in Stuttgart und die DUH Klage in Düsseldorf?
    • Was macht Stuttgart nach Dobrindts Ablehnung der Blauen Plakette?

    Die Fragen, die fehlen:

    • Kann das Stuttgarter Feinstaubproblem bei Weiterbau von Stuttgart 21 gelöst werden?
    • Wie viele zusätzliche Immissionen gehen von Tausenden LKWs, Dampfhämmern und Bohrmaschinen aus?
    • Welche Feinstaubbelastung kommt auf Stuttgart zu, wenn z.B. 30 % des bisherigen Schienenverkehrs auf die Straße verlagert werden, weil der Bahnhof zu klein ist?
    • Wieviel Feinstaub entsteht und was ist die Klimabilanz, wenn täglich Tausende schwere Züge in steilen Tunnelstrecken bergab scharf abbremsen und bergauf mit hohem Energieaufwand fahren werden?
    • Welche mikroklimatischen Folgen wird es haben, wenn die Frischluftschneise Rosensteinpark zugebaut wird?

    Bei der Gelegenheit: Aktuelle Fotos von Wolfgang Rüter von der Luftverschmutzung an der S21-Baustelle Neue Neckarbrücke (dreckige Schiffsdieselmotoren der hier eingesetzten Schiffe der Fa. Hülskens Wasserbau) – und eine Beschwerde:
    www.bei-abriss-aufstand.de/2016/11/18/luftverschmutzung-durch-s21-baustelle-neue-neckarbruecke/

    Back to the roots?
    Wieder S21-Hofberichterstattung der Stuttgarter Zeitung(en)?

    Eine Zeitlang schien es, als würden die inzwischen fusionierten beiden Stuttgarter Zeitungen ihren S21-Kampagnenjournalismus der frühen Jahre überwunden und zu einer fairen und kritischen Berichterstattung gefunden haben. In den Anfangsjahren von S21 waren StZ und StN unüberlesbar Teil einer großen Absprache von CDU, SPD, Gewerkschaftsspitzen und Wirtschaft zur politischen Durchsetzung eines Riesenprojekts, das die halbe Stadt auf den Kopf stellen würde. Nach einer offeneren Phase, in der auch die vielen, allen bekannten kritischen Journalisten stärker zu Wort kamen, überwiegt nun wieder der S21 Gefälligkeitsjournalismus:

    • Eine Bürgerbewegung bietet all ihren ehrenamtlichen Sachverstand auf; sie blamiert damit die Rathausmehrheit, die nur noch alte Glaubensbekenntnisse, aber kaum noch Argumente aufbieten kann. Tags drauf macht die Stuttgarter Zeitung mit einer ganzen Seite zu Kuhns vergeigtem Rosensteindialog auf, an dem am Ende noch ganze 20 Bürger teilnahmen. Die Berichterstattung aus dem wieder aus den Nähten platzenden Gemeinderatssaal beschränkt sich im Innenteil versteckt auf eine knappe Seite mit einem unpassenden Bild und ohne Kommentar. Der Bericht selbst: ausgewogen. Eine ausgewogene Berichterstattung über eine nicht ausgewogene Veranstaltung ist aber unausgewogen.
    • Zwei Tage später ein ganzseitiges Interview mit dem Vorsitzenden des S21-Verein, Georg Brunnhuber. Journalistisch völlig uninteressant, aber eine ganzseitige Werbung für S21. Ist es bösartig zu fragen, ob die DB dafür bezahlt? Oder ob hier wieder einer auf dem Absprung in die Dienste der DB ist wie im Frühjahr 2015 der Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten, der – was Wunder – plötzlich Pressesprecher für S21 wurde: www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vorsitzender-des-s21-vereins-georg-brunnhuber-nicht-jeder-sack-zement-ist-unser-problem.aa2d2783-aaad-4320-a6ca-3c18c7c6a13c.html
    • Pressemitteilungen des Aktionsbündnisses berücksichtigen die Stuttgarter Zeitungen schon lange nicht mehr. Wie z.B. die PM zur 2. Rathaussitzung zu S21 und den dort gehaltenen Beitrag von Eisenhart von Loeper: http://www.kopfbahnhof-21.de/
    • Auch über die hoch qualifizierten Beiträge auf den Montagsdemos verlieren die StZ/StN in der Regel kein Wort, obwohl Beiträge wie diese es verdient hätten, vielen Bürgern bekannt zu werden:

    Christoph Ozasek über Feinstaub und die ausbleibende Verkehrswende zum ÖPNV:
    https://www.bei-abriss-aufstand.de/2016/11/16/rede-von-christoph-ozasek-stadtrat-regionalrat-die-linke-auf-der-346-montagsdemo-am-14-11-2016/

    oder die mit vielen neuen Infos gespickte Rede des Geologen Ralf Laternser über die zu erwartenden Anhydrid-Probleme beim S21-Tunnelbau: https://www.bei-abriss-aufstand.de/2016/11/16/61820/

    So wie die Bahn mit S21 und den ganzen Betrügereien ihre treuesten Kunden verprellt, machen es die Stuttgarter Zeitungen, denn S21-GegnerInnen sind vermutlich großteils leidenschaftliche Leser des in die Krise rutschenden Mediums Zeitung.

    Wie kritischer Journalismus geht, zeigt jede Woche neu:
    Kontext Wochenzeitung

    Z. B. in der aktuellen Ausgabe, seit Mittwoch online und am Samstag bundesweit als Beilage der taz. Aufmacher diesmal ein „unvollständiger Überblick für Einsteiger“ über die „haarsträubenden Absurditäten, verqueren Argumenten und politischen Winkelzügen“ bei der Durchsetzung von S21, vermutlich auch inspiriert durch das blamable Agieren der S21-Freunde von Kuhn bis SPD-Körner in der Gemeinderatssitzung am 15.11.
    Treffender Titel des Beitrags von Oliver Stenzel: „Reise nach Absurdistan“: https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/294/reise-nach-absurdistan-3990.html

    „Schienenpakt 2030“ der SPD-Bundestagsfraktion
    Neue Bahnpolitik mit Rot-Rot-Grün?

    Die SPD-Bundestagsfraktion hat kürzlich auf einem Schienengipfel ein Impulspapier unter dem Titel „Mehr Verkehr auf die Schiene – die Politik ist am Zug“ diskutiert. Sie formuliert darin viele konkrete Forderungen, die sich mit den seit langem vertretenen Vorstellungen kritischer Bahnpolitiker wie Bahn für alle decken und auch große Schnittmengen mit umwelt- und bahnpolitischen Positionen von Grünen und LINKEn haben. Im Bezug auf die zunehmend bedrohliche Klimaentwicklung soll eine Verkehrswende eingeleitet werden, die die Kapazität des Schienenverkehrs verdoppelt.

    Im Grundsätzlichen und in vielen Einzelforderungen von den Themen Privatisierung über Integralen Taktfahrplan ITV bis hin zum Thema Nachtzüge zeichnen sich in der Bahnpolitik große Rot-Rot-Grüne Schnittmengen ab. Fehlt nur noch die Schlussfolgerung: „Deswegen fordern wir die Beendigung von Stuttgart 21 und den Einstieg in den Umstieg“. Auch wenn hier der Schmerzpunkt der SPD-Oberen liegt, lohnt es sich, die hier erkennbaren Chancen auszuloten.
    http://www.spdfraktion.de/system/files/documents/impulspapier-schienenpakt2030-spdfraktion.pdf
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bahn-spd-plant-rasanten-ausbau-des-bahnverkehrs-1.3240015

    Durch Verschieben der Entscheidung werden sie uns nicht los!
    Am 14. Dezember sind wir wieder in Berlin!

    Die Deutsche Bahn hat nach Sondersitzung und Vertagung die Entscheidung zu Stuttgart 21 auf die Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung am 14. Dezember in Berlin gesetzt.

    Etwas kritischere Aufsichtsräte hatten nachgefragt, wie sich die Kostenprognose des Rechnungshofs mit den von der Bahn beauftragten Gutachten vertrage. Ein bahninternes Gutachten von KPMG bestätigt angeblich, dass die Kosten nicht noch weiter steigen. Wohl aus gutem Grund wird es immer noch geheim gehalten.

    Kann sein, dass die Hängepartie weiter geht, aber auch alles andere ist möglich.
    Es ist wieder ein Schwabenstreich zusammen mit der Berliner Schwabenstreichgruppe am 13. Dezember, 18 Uhr vor dem Bahntower geplant und am 14. Dezember um 10 Uhr zur Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung. Wer redet und was sonst noch in Sachen S21 oder rein berlintouristisch möglich ist, ist noch in der Planung. Vorschläge erwünscht!

    Auf jeden Fall bald anmelden. Das macht alles einfacher und kostengünstiger!

    Nach Wahlerfolg und Umstieg 21-Veranstaltung bei IHK
    Kaktus bleibt dran

    Mit dem überragendes Ergebnis bei den Wahlen zur Vollversammlung der IHK Region Stuttgart und den angeschlossenen Bezirkskammern hat die aus den „UnternehmerInnen gegen S21“ hervor gegangene Kaktusinitiative fast 50% Zugewinn an Sitzen erzielt, so dass sich jetzt fast 1/3 aller demokratisch gewählten Mitglieder der Vollversammlung zu den Zielen der Kaktus-Initiative bekennen.

    Als weiteren möglicherweise damit zu erklärenden Erfolg  verbucht die Kaktusgruppe die Einladung an das Aktionsbündnis, in der IHK-Zentrale das Umstiegskonzept vorzustellen und in diesem Zusammenhang die Broschüre Umstieg 21 als Datei an alle Mitglieder der Vollversammlung zu verschicken.

    Die Veranstaltung hat keine Berge versetzt. Die Positionen blieben unverrückt, was nicht anders zu erwarten war, weil eine Info-Veranstaltung keine Beschlusslage ändern kann. Aber die Diskussionen sind angestoßen. Nach Weihnachten findet die nächste IHK-Vollversammlung in neuer Besetzung und mit Neuwahlen bei Vorsitz und Geschäftsführung statt. Einschlägige Vorstöße seitens der Kakteen, auch zu S21, sind unterwegs!

    Vom Bock zum Gärtner?
    Grüne machen Polizeichef zum Bürgerbeauftragten

    Sicher gibt es so etwas wie eine demokratische Polizei und Polizeitradition. Dennoch ist nicht nachvollziehbar, wieso es ausgerechnet ein ehemaliger Polizeipräsident sein soll, der auf Vorschlag der Grünen Ombudsmann der Landesregierung werden soll, also Anlaufstelle für Bürger, die sich über Behörden und auch Polizeiverhalten beschweren wollen. Volker Schindler heißt der grüne Wunschkandidat und war bis vor kurzem Aalens ehemaliger Vize-Polizeichef: http://kurzlink.de/PolizistBuergerbeauf.

    Doppelbiographie Carl von Etzel und Ludwig von Klein
    Rudi Röder stellt sein Buch über die württembergischen Bahnpioniere vor

    Buchvorstellung am Freitag, 25.11., um 18.00 Uhr im Kleinen Kursaal in Bad Cannstatt mit einer kleinen Bilderausstellung. Moderation Frank Schweizer

    Die Bürgerbewegung gegen S21 ist eine Bewegung für die Bahn, für eine Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene. Was Wunder, dass sich ein langjährig Aktiver mit den Ursprüngen dieser Eisenbahn beschäftigt, und zwar ganz konkret hier und ganz persönlich mit den großen Ingenieuren und Pionieren von damals. Dabei stößt Röder auf ein bemerkenswertes Phänomen: auch von Etzel und von Stein mussten große Widerstände überwinden. Ein Umstand, auf den sich alle Fans von Großprojekten gern berufen: auch der Kölner Dom, der Frankfurter Hauptbahnhof und neuerdings die Elbphilharmonie seien teurer und nur gegen großen Widerstand durchgesetzt worden und jetzt seien alle dankbar, dass sie diese historischen Bauten haben. Klar, auch Bürgerbewegungen können irren oder nur eigensüchtige Interessen verfolgen. Der Fehler liegt in der Generalisierung. Nicht jedes Großprojekt ist sinnvoll, nicht jeder Widerstand liegt richtig. Es kommt auf die Fakten an! Und wer sich bei S21 die Fakten anschaut, und wer wie damit umgeht, weiß wer bei S21 richtig liegt und wer nicht.

    Ein konkretes Ziel verfolgt Röder und der ihn unterstützende Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten auch: das ältesten noch unverändert bestehenden Eisenbahnbauwerks in Württemberg, das Tunnelportal am Schloss Rosenstein und die darüber liegenden Galerie, von der aus einst die königliche Familie die ein- und ausfahrenden Züge beobachten konnte – sie sollen erhalten und saniert werden!

    Wegrollender ICE in Köln

    Am 17. November in Köln: Ein ICE rollt mit offenen Türen fast einen Meter weit, bis es der Lokführer bemerkt (twitter.com/RAILoMOTIVE/status/799618689096122368?s=09). Der Kölner HBF hat auch ein bedrohliches Gefälle, aber weniger als S21 und oberirdisch. Preisfrage für Freunde des Dreisatzes: wie weit wäre bei gleicher Reaktionszeit des Lokführers ein ICE bei S21 gerollt?

    Florenz, Rom …
    Umstieg – andere schaffen’s

    Die Infos fließen spärlich, an Übersetzungen fehlt’s, aber feststeht: Die Tunnelbahnhofsprojekte in Florenz (im Kontext der Hochgeschwindigkeitsstrecke TAV) und in Rom (U Bahn) sind gestoppt. Dies waren jeweils Wahlversprechen der an die Spitze ihrer Städte gewählten 5-Sterne KandidatInnen Dario Nardella in Florenz und Virginia Raggi in Rom. Die Diskussion um einen Umstieg ist eröffnet. Hier das Video der Präsentation eines Umstiegskonzepts in Florenz – für alle, die des Italienischen mächtig sind: www.facebook.com/186144961421699/videos/vb.186144961421699/1136879663014886/?type=3&theater.
    Und ein Bericht zu Rom:
    www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.u-bahn-bau-in-rom-roemer-bangen-ums-kolosseum.5cf9d210-57db-4090-ba3e-a45e914d5993.html

    Geplanter Flughafen Notre-Dame-des-Landes in der Bretagne
    Nach Niederlage vor Gericht: Platzbesetzung geht weiter

    Zunächst sah es gut aus. Die Berichterstatterin vor Gericht stärkte die FlughafengegnerInnen und plädierte gegen einen Erlass, der die Vorarbeiten für den überflüssigen Flughafen genehmigt hatte. Überraschend entschied am 7.11. das Verwaltungsgericht in Nantes anders. Die Bürgerbewegung zeigt sich entschlossen, die Besetzung des Platzes fortzusetzen und prüft Rechtsmittel, s. Pressemitteilung: www.acipa-ndl.fr/actualites/communiques-de-presse/item/710-decision-de-la-cour-administrative-d-appel-de-nantes. Deutsche Übersetzung, s. Anlage

    Adventsfahrten mit historischen Zügen

    Mit zwei Dampf- und einer historischen Elektrolokomotive bietet die „Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart“ Adventsfahrten zu Weihnachtsmärkten in der Region an. Fahrpläne und Näheres , s. Anlage

    Einen Kalender 2017 mit Bildern wie diesen bietet der Verein, bei dem sich auch viele sehr aktive S21-Gegner engagieren, auch an.

    So müsste Sloganerfinder Peter Grohmann sein Repertoire erweitern:
    Wessen Zeit? Unsere Zeit!

    Auf seiner Webseite http://notizbloecke.cajo-kutzbach.de/Notizblock-3/drei/459C10BF-4C1A-4B68-ADA6-C84DE48CBA37.html hat der Journalist Cajo Kutzbach mal ausgerechnet, was die Bahn an Zeit ihrer Kunden durch die längeren Wege zu den Gleisen während des Baues von S21 usurpiert:

    Ausgehend von ca. 250 000 Bahnhofsbenutzern, die für den um 100m verlängerten Weg zu den Bahnsteigen jeweils etwa 10 Min. brauchen ergibt sich ein Verlust von 12.136 Jahre Lebenszeit. Ein Jahreseinkommen von nur 20 000 Euro unterstellt ergibt eine Kostenabwälzung auf die Bahnkunden von 24, 272 Mrd. Euro! Imposante Zahlen, selbst, wenn 10 Minuten etwas viel sein mögen.

    Cajo Kutzbach, Freier Journalist mit Hörfunkstudio, Telefon:  0711 256 6904 Mobil:   0177 63 40 700