Sicherheitsrisiko Tunnelbahnhof
Dokumentation ICE-Brand am 22.11.2001 im Hauptbahnhof Offenbach
Welche Sicherheitsrisiken ein Tunnelbahnhof mit Dutzenden von Kilometern unterirdischer Zulaufstrecken mit sich bringt, lässt eine ebenso sachliche wie beeindruckende Dokumentation der Offenbacher Feuerwehr erahnen, der die Aufgabe zufiel, einen am 22.11.2001 in Brand geratenen ICE-Triebkopf zu löschen. Obwohl der Lokführer des brennenden ICE seinen Zug noch bis in den nächsten – oberirdischen! – Bahnhof fahren konnte, hatten die umsichtigen Feuerwehrleute unter besten äusseren Bedingungen 5 Stunden damit zu kämpfen, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Was wohl geschehen wäre, wenn die Löschaktion in einem Tunnel hätte stattfinden müssen, mögen sich der Branddirektor Dipl.-Ing. Uwe Sauer und Brandamtmann Manuel Hoppert in ihrem lesenswerten Ereignisbericht kaum auszumalen...
Zitat 1: "Den günstigen räumlichen Gegebenheiten an der Einsatzstelle war es zu verdanken, dass die Sonderlöschmittel eingesetzt werden konnten. Die Löschwasserversorgung war zu jedem Zeitpunkt optimal sichergestellt. Nicht auszudenken, mit welchen Unwegsamkeiten eine Feuerwehr zu kämpfen hat, wenn sich ein ähnlicher Einsatz in der Sommerzeit, bei entsprechender Trockenheit, auf freier Strecke, in einem Feld- oder Waldgebiet ereignet. (...) Ein solcher Einsatz in einer Tunnelanlage wird unbeherrschbar sein. Ein Tunnel hat aus Sicht der Luftströmung die Wirkung eines Kaminzuges. Der Wärmestau im Brandbereich wird die Tunnelwand stark aufheizen, was insgesamt dazu führt, dass die anschließende Wärmestrahlung der Tunnelwand die Verbrennungsgeschwindigkeit und die Brandausbreitung in dem ICE-Zug beschleunigt. Die Bilder dieses Einsatzes lassen ansatzweise erahnen, mit welcher Reaktionsgeschwindigkeit die Metall- und Technikfestung –ICE -Triebkopf– verbrennen kann. "
Zitat 2: "Nach dem Einsatz stellte sich weiter die Frage, wie wäre dieser Einsatz in einem Tunnel ausgegangen? Zum einen kann man sicher sagen, dass genau dieser Ereignisablauf als unkritisch bzgl. der Tunnelbrandproblematik angesehen werden kann. Da der ICE von Hanau problemlos bis Offenbach fahren konnte, hätte er sicher auch aus jedem Tunnel herausfahren können. Was wäre aber gewesen, wenn nicht der hintere, sondern der vordere Triebkopf gebrannt hätte? Wie lange wäre der Triebzugführer in der Lage gewesen, in seinem Triebzugführerraum zu verbleiben? Wie lange hätte die Aluminiumtür zwischen dem Maschinenraum und dem Triebzugführerraum Feuer und Rauch Widerstand geleistet? Es ist leicht vorstellbar, dass dieses Szenario sehr wohl zu der Situation führen kann, dass der Triebzugführer auch im Tunnel im Interesse seiner Selbstrettung den Zug anhält und aussteigt, solange es noch möglich ist. Eine weitere Beschreibung der Folgen ist sicher nicht notwendig... "
Den ganzen ungemein spannenden Bericht finden Sie hier:
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