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20.6.2013 : 10:37 : +0200

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Heinrich Steinfest
Krimi-Autor

Heinrich Steinfest

Es ist ein Jammer, dass unsere utopischen Voraussagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, nämlich die Eroberung und Kolonisation von Mond und Mars, sich als Trugschluss erwiesen haben. Statt dessen: ein wenig Schrott und ein paar Fahnenstangen auf dem Mond und ein paar saftlose Spielzeugroboter auf dem Mars. Wie schade! Wir hätten diese gewaltigen Länder mit unseren Architekturfantasien überziehen können, mit gigantomanischen Schrebergärten, mit Schwebebahnen und kunstvoll gestalteten Mülldeponien, überirdischen Kathedralen und schlangenhaften Industrieanlagen. Ohne Rücksicht auf Mensch und Tier und Architekturkritik.

Was aber nicht sein kann, ist folgendes: Dass der Misserfolg der NASA und der Russen nun auf die Welt zurückfällt, gar auf Stuttgart, welches meines Wissens relativ wenig in die Weltraumeroberung involviert war und ist. Und also auch nicht für deren Scheitern verantwortlich gemacht werden sollte.

Stuttgart 21 ist eine Mondfantasie. Keine besonders originelle, aber was solls, der Mond hätte das schon vertragen. Nicht aber eine gewachsene Stadt, eine Stadt, welche markante Zeichen einer neuen Architektur durchaus nötig hätte (nicht zuletzt, um sein Selbstbild zu stärken). Stuttgart 21 aber ist überholte Architektur, Perry Rhodon für Städteplaner, nicht modern, sondern primitiv. Und das Finanzierungsmodell ist derart abwegig (nein, niemals würde ich "kriminell" sagen), dass ich mich erinnert fühle an die Erbauung des ?Todessterns? durch den Imperator Palpatine. Und alle, die "Star Wars" kennen, wissen ja, wie dieser Todesstern endet.

Damit aus Stuttgart 21 kein Todesstern wird, sollte man vielleicht ein paar Leute auf den Mond schicken.