Nein zu Stuttgart 21
Die zehn wichtigsten Argumente.
Ist Stuttgart 21 ein Bahnprojekt?.
Wird die Region Stuttgart abgehängt?.
Bringt Stuttgart 21 Vorteile für den Nahverkehr?.
Ist Stuttgart 21 kundenfreundlich?.
Die Kostenlüge.
Die Zerstörung der Stadt.
Die politische Kultur.
Konjunkturprogramm und Arbeitsplätze.
Das Stuttgart 21-Kartell.
Prof. Roland Ostertag bei der Kundgebung am 11.10.2008
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Generationen soll unsere Stadt durch eine geschichts- und gesichtslose Stadtbaupolitik am offenen Herzen operiert werden. In den 50er/60er Jahren die stadtfeindlichen Autobahnen, heute das stadtgefährdende Projekt Stuttgart 21. Beides radikale Eingriffe wie Gen-Manipulationen in einen Organismus Sie gehen an die Wurzeln ihrer Existenz.
Stuttgart 21 beschädigt nicht nur den Hauptbahnhof, die Eingriffe in das unmittelbare Umfeld, in den Grundcharakter der Stadt sind noch schlimmer. Die Menschenkette müsste das ganze Stuttgart 21-Gelände mit Schlossanlagen, ja die ganze Stadt umfassen, ihren Charakter vor der beabsichtigten Zerstörung bewahren.
Der oberste Bürger der Stadt erzählt uns, das Projekt sei kein Projekt der Stadt, es sei eines der Bahn. Wer hat die Bahn legitimiert, unsere Stadt zu zerstören? Die da oben meinen über uns, über die Stadt verfügen zu können, wie wenn sie ihr Eigentum, wir Leibeigene wären. Wir lassen uns nicht auf Stimmvieh bei Wahlen reduzieren, auf Akklamation vollzogener Hoheitsakte. Der Bahnhof, sein Umfeld, die Stadt gehört den Bürgern Stuttgarts, gehört uns. Diese wilden Techniker, diese technischen Wilden verwechseln blinde Technik/Gigantismus, mit dem Wohl der Stadt. Hybris der Macht, Irrsinn. Allerdings kann der Geist nicht irren, dort wo keiner vorhanden ist.
Der Widerstand wächst gegen dieses Projekt. Nicht nur der Kosten,der Zerstörung des Bahnhofs wegen. Auch weil es uns zwei unverzichtbare, sinnstiftende Dimensionen raubt.
Stuttgart, jede Stadt besitzt ein verbindliches Grundgesetz, in das unser kollektives Gedächtnis eingebrannt ist, das ihren Charakter, ja ihre Seele bestimmt. Es darf nicht angetastet, nicht verletzt werden. In Stuttgart ist dies vor allem die traumhafte Topographie, bestimmende Stadtgestalten und Räume, die Reste des Stadtgrundrisses, das königliche Erbe, der Schlossgarten, die sichtbare, die geistig-gedankliche, klimatische Öffnung aus dem Kessel in das Neckartal, in die große, freie Welt.
Wir Menschen leben von Bildern. In ihnen und durch sie sind und werden wir. Wir erinnerten uns an nichts, würden wir unsere Bilder verlieren. Ohne sie wären wir nicht, was wir sind. Diese unverwechselbaren Orte einer Stadt, die im kollektiven Gedächtnis niedergelegte erinnerte Vergangenheit, sind unsere Begleiter aus dem Einst, dem Jetzt in das Demnächst, der Vergangenheit/der Gegenwart in die Zukunft. Stadtwanderungen sind Weltwanderungen, durch die Geschichte. Sie zeigen uns, warum wir sind, wie wir sind.Der Bereich um den Bahnhof ist eine der wesentlichen Bilderwelten unserer Stadt, dazu gehören die Gebäude, die Räume, die Bäume, die 15 denkmalgeschützten Objekte. Dort ist Stuttgart noch Stuttgart.
"Die da oben" sind dabei. mit Stuttgart 21 das Grundgesetz der Stadt zu zerstören, uns unsere Welt der Bilder, uns unser Gedächtnis, unsere Geschichte zu rauben. Eine ort-/bilderlose, verdinglichte, entleerte, entzauberte, armselige Welt zu schaffen. Was in tausend Jahren gewachsen ist, wird in wenigen Jahren vernichtet.
Eine "neue Identität" soll sich durch Tempo, tief im Keller, durch Zerstörung der geschützten Objekte, des Schlossgartens ergeben. Die Stadt wäre nur noch funktionierende Maschine, nicht Organismus, nicht Lebensraum der Menschen, ihr Zuhause, ihre Heimat. Dabei wird sie den letzten Rest von Identität verlieren. Kein Ergebnis von Denken, sondern Anlass zum Denken.
Dies lassen wir nicht zu. Diese Werte verteidigen wir mit Ihnen, der Menschenkette. Machen die Fenster auf in dieser stummen Stadt für Offenheit, Alternativen, ja Poesie. Was unser Vorort München, die Bayern schafften, den Transrapid und die CSU zu kippen, werden wir Stuttgarter, die Schwaben schaffen, Stuttgart 21 und diese unheilige Allianz zu kippen. Dies schulden wir uns, unseren Kindern und Kindeskindern. "Bürger schaut auf Eure Stadt".




