Studie zu Winnie Hermanns unterirdischem Kopfbahnhof: Als gäbe es kein Morgen

Erst wenige Wochen alt ist das richtungweisende Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Verantwortung der politischen Entscheidungsträger für künftige Generationen festschreibt. Und gerade fünf Tage ist es her, dass Winfried Hermanns Parteivorsitzender Robert Habeck dies in seiner Rede auf dem Grünenparteitag noch einmal in seiner ganzen Grundsätzlichkeit erklärte – da legt der baden-württembergische Verkehrsminister eine „Machbarkeitsstudie Ergänzungsstation Stuttgart Hbf“ vor, in der das Wort Klima nicht ein einziges Mal vorkommt!

Spätestens seit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil müssen alle politischen Entscheidungen auf den klimapolitischen Prüfstand. Das gilt besonders für alles im Zusammenhang mit Stuttgart 21! Das ist das Mindeste, was von einem Grünen Minister zu erwarten ist!

Will man wirklich die zu geringe Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs mit solch gigantischem Aufwand an klimaschädlichem Beton ausgleichen, während man oben bereits alle dafür erforderlichen Gleise liegen hat?

Kontakt:
Martin Poguntke, Sprecher Aktionsbündnis gegen S21: 0151 403 602 56

 

und so bei Twitter:
https://twitter.com/morgenbummler/status/1404839441156521997?s=20

Lenk-Skulptur muss in Stuttgart bleiben!

(PM hier als pdf-Datei)

Kulturschaffende fordern erneut prominenten Standort für Stuttgart 21-Kunstwerk

Lenk-Skulptur muss in Stuttgart bleiben!

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 begrüßt es, dass zum kommenden Mittwoch, dem 16. Juni der Verwaltungsrat des Stuttgarter Gemeinderats den Künstler Peter Lenk zu einem Vortrag über die Standort-Frage der Skulptur „Stuttgart 21 – Das Denkmal – Chronik einer grotesken Entgleisung“ eingeladen hat. Das Aktionsbündnis unterstützt das Anliegen von Oberbürgermeister Frank Nopper, dass das LenkMal am gegenwärtigen Ort oder einem mindestens gleichwertigen verbleiben kann. Der Verbleib der Statue am Stadtpalais schließe das gleichzeitig stattfindende jährliche Event „Stuttgart am Meer“ nicht aus.

Der bereits am 27. Mai veröffentlichte Appell von Kulturschaffenden zu „Lenk in Stuttgart“ ist inzwischen von weiteren Persönlichkeiten unterzeichnet worden, so unter anderem vom ehemaligen Rektor der Stuttgarter Akademie Prof. Dr. Wolfgang Kermer, dem Grafiker Klaus Staeck, dem Kabarettisten und Calypso-Sänger Christian „Chako“ Habekost, dem Sindelfinger Buchautor und Träger des Landespreises für Heimatforschung Klaus Steinke und dem Stuttgarter Kolumnisten, Betreiber des „Flaneursalons“ Joe Bauer und dem Theaterregisseur („Motor City Super Stuttgart“) und Sänger der Punkband „Goldene Zitronen“ Schorsch Kamerun.

 

Anbei der aktualisierte Appell mit der ergänzten Unterzeichnerliste.

 

Für das Aktionsbündnis und die Kampagne www.lenk-in-stuttgart.de:

Martin Poguntke, 0151 403 602 56
Dr. Winfried Wolf, 0175 537 866 6

PM: S21 Fehlplanungen ursächlich für Überflutungen im Bahnhofsbereich

Von wegen verstopfte Gullys
S21 Fehlplanungen ursächlich für Überflutungen im Bahnhofsbereich

Keineswegs waren es „verstopfte Gullys“, wie bundesweit vermeldet, die an Fronleichnam und vor allem am folgenden Freitagabend im Bereich des Stuttgarter Hauptbahnhofs zu Überflutungen von bis zu 30 cm geführt haben. Vielmehr handelt es sich um eine unmittelbare Auswirkung von Stuttgart 21-Fehlplanungen.

Der quer zum Tal gelegte Tiefbahnhof unterbricht alle Abwassersammler der Innenstadt. Deshalb mussten die großen Abwasserkanäle, die das Wasser Richtung Neckar ableiten, umgelegt und unter dem Tiefbahnhof als „Düker“ hindurchgeführt werden. Dadurch wurde die ohnehin knapp dimensionierte Abflussleistung der Abwassersammler weiter verringert, wie Dipl. Ingenieur Hans Heydemann von den „Ingenieuren22“ erläutert. Heydemann, aufgrund beruflicher Erfahrung Fachmann in Entwässerungsfragen, weiter: „So wurde der Nesenbachkanal als der größte der Abwasserkanäle für eine maximale Abflussleistung von 100 m³/s ausgelegt. Der ursprüngliche Nesenbachkanal konnte jedoch 126 m³/s abführen“, womit er den bisherigen Anforderungen ohne Rückstau standhalten konnte.“

Ursächlich für die Überschwemmungen ist also „der Rückstau in den Abwasserkanälen, der von den eingefügten S21-Dükern ausgeht, die mit ihren Umlenkungen und Querschnittsänderungen das Strömungsverhalten der Abwasserkanäle nachteilig beeinflussen und die Abflussleistung verringern“. Als der Regen nachließ und der Wasserzufluss in den Kanälen geringer wurde, löste sich auch der Rückstau auf, und das Wasser auf der Schillerstraße konnte wieder ungehindert abfließen. Die unterstellten „Verstopfungen“ der Gullys mussten dazu nicht beseitigt werden – denn es gab gar keine.

Ergänzend weist Heydemann daraufhin, „dass die Düker (insgesamt vier) nach jedem Starkregen wieder leergepumpt und gereinigt werden müssen, wofür einschließlich Überwachung, Wartung und Instandhaltung der Dükeranlagen jährlich etwa eine halbe Million € an Kosten anfallen“.

Am 4. Juni 2018 hatte das Aktionsbündnis bereits die Studie „Überflutungsrisiken durch Stuttgart 21 – Der Tiefbahnhof als „Staumauer“ bei Starkregen“ von Dr. Christoph Engelhardt und Dipl.-Ing Hans Heydemann veröffentlicht (Studie und PM dazu in der Anlage). Auf 80 Seiten wird detailliert auf die Risiken bei Starkregenereignissen hingewiesen. Deren Eintrittswahrscheinlichkeit werde künftig aufgrund der Klimadramatik zunehmen und mit der Stuttgarter Kessellage auf eine Topologie treffen, die die Stadt ohnehin zu einem Hochrisikogebiet bei Starkregenereignissen machten.

Wie bei anderen Themen wurden auch hier die Warnungen der S21-Kritiker von den S21-Machern und -Verantwortlichen in den Wind geschlagen. Die Überschwemmungen am 5. Juni sollten als Warnung vor Schlimmerem verstanden werden.

Das Aktionsbündnis fordert eine detaillierte Aufklärung von Ursachen und Zusammenhängen der Überschwemmungen der letzten Tage. Dabei dürften die Auswertungen von Kameraaufzeichnungen von Bedeutung sein, die aufgrund einer Auflage der 14. Planänderung an der Zulaufkammer zum Nesenbachdüker im Düker-Oberhaupt-Schachtbauwerk angebracht werden mussten.

Kontakt:    Hans Heydemann 0711 628 488, Werner Sauerborn, 0171 320 980 1

(hier diese PM als pdf-Datei)

PM: Offener Brief an Kanzlerin Merkel

(hier Stuttgarter Aufruf zur Klima- und Verkehrspolitik als pdf-Datei)
(hier diese Pressemitteilung als pdf-Datei)

Kulturschaffende und S21-Gegner fordern Merkel zu konkreten Klimaschutz-Schritten auf

Beenden Sie das Possenspiel um Stuttgart 21!

In einem „Stuttgarter Aufruf zur Klima- und Verkehrspolitik“ fordern sie nach der „Karlsruher Klima-Klatsche“ ein „sofortiges Umsteuern in der Verkehrs- und speziell Bahnpolitik“. Wichtig sei eine Bahn, die ihre Fahrgäste vor Ort abholt und wieder als Verkehrsmittel für alle wahrgenommen wird, statt als „Flieger auf Schienen“, Störfaktor und Landschaftszerstörer.

Vom Journalisten Franz Alt über die Kabarettistinnen Christine Prayon und Helmut Schleich bis zum Schauspieler Walter Sittler und dem „Erfinder des Inter-Regio“ Karl-Dieter Bodack reicht die Palette derer, die die Kanzlerin auffordern, ihren Ausspruch von 2010 „…an Stuttgart 21 entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ „als Fehleinschätzung zu revidieren“. Sie wenden sich mit ihrer Forderung nach einer Klima-Kurskorrektur bewusst an die Kanzlerin, die auch in der Atompolitik zu einer 180-Grad-Wende in der Lage war.

Mit dem vom „Aktionsbündnis gegen S21“, der „Schutzgemeinschaft Filder e.V.“ und dem „Bündnis Bahn für alle“ initiierten Offenen Brief wollen die Verfasser die Kanzlerin für die Einsicht gewinnen, dass die Klimaziele für die Region Stuttgart nur durch ein tabuloses Umsteuern auch beim Prestige-Projekt Stuttgart 21 erreicht werden können. Die Bundesregierung strebe aus gutem Grund für die Bahn einen Deutschland-Takt an; währenddessen werde aber in Stuttgart an einer „Fehlplanung“ gebaut, die schon vor ihrer Eröffnung mit fast 50 Kilometer zusätzlichen Klima und Umwelt belastenden Tunnels ergänzt werden müsse, ohne die Leistung des bestehenden Bahnhofs zu erreichen.

Traurige neue Aktualität hat die Brief-Passage „Bewahren Sie die künftigen Fahrgäste vor unabsehbarem Schaden an Leib und Leben“ gewonnen: Auch vor dem Hintergrund der neuesten (Seil-)Bahn-Katastrophe am Lago Maggiore (wie zuvor der ICE-Katastrophe von Eschede 1998 und des ICE-Brands von Montabaur im Jahr 2018) appelliert Bündnissprecher Dr. Eisenhart von Loeper angesichts des aus Sicht vieler Fachleute völlig unzureichenden Brandschutzkonzepts für S21 an die Kanzlerin: „Setzen Sie ein unüberhörbares Signal! Schweigen Sie nicht länger! Laden Sie nicht unermessliche Schuld auf sich!“

Kontakt (Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21):
Eisenhart von Loeper, 07452 4995
Martin Poguntke, 0151 403 602 56

 

Stuttgarter Aufruf zur Klima- und Verkehrspolitik

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

jüngst hat das Bundesverfassungsgericht Ihrer Regierung die „Karlsruher Klima-Klatsche“ verabreicht und den existentiellen Freiheitsrechten der jüngeren Generation auf ihre Zukunft einen heute schon verbindlichen Verfassungsrang verliehen. Grund genug, hier eine Wende weg vom halbherzigen Hinhalten hin zu realen Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele zu vollziehen. Wie Sie wissen, trägt der weitgehend fossil betriebene Verkehr entscheidend zur Klimakrise bei – ein sofortiges Umsteuern in der Verkehrs- und speziell in der Bahnpolitik wäre damit dringend geboten.

Uns erscheint es gerade jetzt und durch Sie notwendig, Ihre Äußerung vom September 2010, „…an Stuttgart 21 entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ als Fehleinschätzung zu revidieren. Denn fatal und immer deutlicher feststellbar sind nicht zu verantwortende Mängel beim Brandschutz, grundlegende und fortdauernde Fehlplanungen mit Bahnsteig-Schräglage, Kapazitäts-Abbau, Gäubahn-Kappung, Flughafen-Chaos, Anhydrit, Grundwasser, … Bewahren Sie die künftigen Fahrgäste vor unabsehbarem Schaden an Leib und Leben[1].

Die jüngst angekündigten gigantischen Tunnel-Zubauten werden die Fehlplanung nicht kaschieren können, dafür aber Klima und Umwelt weiter belasten – ganz zu schweigen von der absoluten Unverträglichkeit mit dem von ihrer Regierung initiierten Deutschland-Takt.[2]

Dieses umfassende Projekt wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, endlich mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und die Zahl der Fahrgäste zu verdoppeln – ein hehres und begrüßenswertes Ziel. Doch mit maßlosen 300 km/h-Hochgeschwindigkeitsstrecken, „verschlankten“ Bahnknoten und endlosen Tunnelgrabungen, die jetzt unter dem Label Deutschlandtakt durchgeboxt werden sollen, werden die Klimaziele und die jetzt in Karlsruhe bestätigten völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands aus dem Pariser Klimaschutzabkommen konterkariert, und wertvolle Ressourcen werden einem sinnvollen Bahn-Ausbau in der Fläche entzogen: Der Bau eines Gleiskilometers unter der Erde erzeugt so viel Treibhausgas wie 26.000 Autos im Jahr.[3]

Deshalb appellieren wir heute an Sie: Nehmen Sie das Karlsruher Urteil ernst, geben Sie Klima- und Umweltschutz eine Chance – auch und vor allem in der Verkehrspolitik! Beenden Sie das neue Possenspiel um Ergänzungsbahnhof und weitere endlose Zusatztunnels, engagieren Sie sich für das umweltbewusste Umsteuern bei Stuttgart 21 und in der Bahnpolitik, und sorgen Sie für einen maßvollen, den Bedürfnissen der Fahrgäste, des Umwelt- und Landschaftsschutzes verpflichteten Ausbau der (Schienen-) Verkehrs-Infrastruktur.

Räumen Sie die kontraproduktiven, Klima-schädlichen Bahnprojekte aus der deutschen Verkehrslandschaft und aus den Augen einer Nachwelt, vor der nur das wirklich Zukunftsfähige Bestand hat. Dazu gehört eine Bahn, die ihre Fahrgäste vor Ort abholt und wieder als Verkehrsmittel für alle statt als „Flieger auf Schienen“, Störfaktor und Landschaftszerstörer wahrgenommen wird.

Franz Alt                                                                                                          Dipl.-Ing. Frank Distel
Journalist und Buchautor, Baden-Baden      Verkehrsfachmann, Baubürgermeister a. D.

Prof. Dipl.-Ing. Karl-Dieter Bodack, M.S.                                        Dr. Bernhard Knierim
Ingenieur und Designer, Gröbenzell      Politikwissenschaftler, Sprecher Bahn für Alle

Christine Prayon                                                                                       Dr. Eisenhart v. Loeper
Schauspielerin und Kabarettistin, Stuttgart Rechtsanwalt, Sprecher Aktionsbündnis

Helmut Schleich                                                                                                    Dieter Reicherter
Kabarettist, München                                           Vorsitzender Richter am Landgericht a. D.

Walter Sittler                                                                                                                  Steffen Siegel
Schauspieler und Filmproduzent, Stuttgart  Vorsitzender Schutzgemeinschaft Filder

[1] Siehe dazu auch aktuell ARD, Report, 30.03.21

[2] Für eine zusammenfassende Darstellung und Analyse verweisen wir auf http://wikireal.info/wiki/Stuttgart_21

[3] https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/unterirdische-orgien